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Innovationsschub für die Wirtschaft - Frauen in die Chefsessel

NR. 0312 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Datum: 7. März 2006

Innovationsschub für die Wirtschaft – Frauen in die Chefsessel

 

Zum Internationalen Frauentag erklären Renate Künast, Fraktionsvorsitzende, und Irmingard Schewe-Gerigk, Parlamentarische Geschäftsführerin und frauenpolitische Sprecherin:

 

Deutschland ist bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor ein Entwicklungsland. Die Bundesregierung muss dringend die Förderung von Frauen in der Wirtschaft in Angriff nehmen – mit Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf allein ist es nicht getan. Denn nicht nur Mütter erleiden am Arbeitsmarkt Diskriminierungen. Schweden oder Norwegen haben längst verstanden, dass es ein wirtschaftlicher Nachteil ist, auf die Potenziale von Frauen zu verzichten. Wir sollten aufpassen, dass wir in der internationalen Konkurrenz nicht den Anschluss verlieren. Denn der Verzicht auf die Qualifikationen der gut ausgebildeten Frauen ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem – er stellt auch ein Innovationshemmnis dar.

 

Wir haben in den letzten 7 Jahren viele erfolgreiche Maßnahmen angestoßen, um der Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben entgegenzuwirken. Dieser Weg muss aber weiter gegangen werden – das macht unser Antrag "Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt verwirklichen - Innovationshemmnis Männerdominanz beenden", den wir anlässlich des internationalen Frauentags am Donnerstag im Bundestag diskutieren, nur allzu deutlich. Die Analyse der Situation ist ernüchternd. Innerhalb der EU haben wir die nahezu größten Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern – größere bestehen nur in Estland und der Slowakei. In Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten beträgt der Frauenanteil in Führungspositionen gerade vier Prozent. Insgesamt werden etwa 70 Prozent der deutschen Betriebe ausschließlich von Männern geführt. Zu diesen Ergebnissen kommt auch die soeben erschienene zweite Bilanz der 2001 geschlossenen freiwilligen Vereinbarung zwischen Arbeitgeberverbänden und Bundesregierung zur Förderung von Chancengleichheit in der Privatwirtschaft.

 

Umso unverständlicher ist für uns, dass die Bundesregierung offen erklärt, für die Gleichberechtigung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt nichts tun zu wollen. Wir fordern in unserem Antrag umfassende Maßnahmen: Wir wollen unter anderem die bevorzugte Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes an Unternehmen, die sich nachhaltig für Gleichstellung einsetzen. Aber auch über Sanktionen, wie sie Norwegen beschlossen hat, sollten wir reden. Es muss Schluss sein mit den Herrenclubs in den Chefetagen, die die Unternehmen zum Teil teuer zu stehen kommen. Wir wollen die Hälfte aller Chefsessel für die Frauen. Ihnen dürfen nicht länger nur die Vorzimmer vorbehalten bleiben.



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